Oberlandesgericht spricht Urteil zu schwerer Plexusverletzung

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Kommentar von Jan Tübben zu Urteil zu Plexusverletzung

Das OLG Hamm (Az.: I-3 U 174/11) hat kürzlich im Falle eines unter der Geburt geschädigten inzwischen 13 Jahre alten Mädchens ausgeurteilt, dass eine schwere Ausrissverletzung im Schulter-Arm-Nervengeflecht, sofern sie mit dem Geburtsvorgang assoziiert ist, nur die Folge eines kontraindizierten Kraftaufwandes des/der Geburtshelfer(s) sein kann.

Der Geburtshelfer hatte unter der Geburt, nachdem die kindliche Schulter nach Geburt des Kopfes aufgrund geburtsmechanischer Probleme hinter dem mütterlichen Schambein verhakte, gewaltsam so stark am Kopf des Kindes gezogen, bis es zu der irreversiblen Verletzung des Nervengeflechts des Plexus brachialis kam. Der Arm des Kindes wird deshalb dauerhaft gelähmt bleiben.

Obwohl der mündlich angehörte Geburtshelfer entgegen der Angaben der ebenfalls angehörten Kindsmutter vehement bestritten hat, dass es überhaupt zu einem geburtshilflichen Zwischenfall gekommen sei und er am Kopf gezogen habe, sah es das – sachverständig beratene – Gericht als zweifeslfrei erwiesen an, dass nur ein viel zu hoher Kraftauswand den eingetretenen schwersten Schaden erkläre. Insbesondere fielen andere mögliche Ursachen – Fehllage des Kindes, Nabelschnurumschlingung, intrauterine Vorschäden u.a. – vollständig aus.

Die Eltern sind leider in einem Zivilprozess sehr häufig mit der Situation konfrontiert, dass Ihren Angaben zum Geburtsablauf weniger Glauben geschenkt wird, als den Ausführungen der Ärzte bzw. deren Dokumentation, die für nachträgliche Manipulationen allerdings sehr anfällig ist. Umso bedeutsamer ist der Umstand, dass die Schwere der Verletzung eine unumstößliche Gewissheit der Verursachung liefern kann und so den Eltern auch eine späte Bestätigung Ihres Vortrags entgegen der mit Vehemenz vorgetragenen Gegendarstellung der Behandlungsseite gibt.

1 Kommentar
  1. Madlen Aderhold
    Madlen Aderhold sagte:

    Guten Tag, mir stehen die Nackenhaare zu Berge, endlich nennt es jemand beim Namen, was mir seit der Geburt meines Sohnes vor 3 Jahren auf der Seele brennt. Vom Krankenhaus keine Zusage der inkompletten Plexusparese rechts, vom Facharzt erst jetzt bestätigt. In Eigeninitiative Physiotherapie und Wassergymn. 1 mal die Woche seit der ersten Auffälligkeit mit einem dreiviertel Jahr, da er sich nie drehte und nichts griff. Nerven sind jetzt verwachsen, bei Physioauszeit, erschlaffen der Muskeln. Mit anderthalb in Physio laufen gelernt. Feinmotorik immernoch auffallend, Dreirad und Bobbiecar führen unmöglich – da schräge Sitzhaltung die Schulterfunktion beeinträchtigen. Gerade Schulterhaltung beim Radfahren möglich. Überdehnete Schlafposition oder schlafen wie ein Igel auf den Knien und die getreckten Arme durch die Beine geschoben. Als Linkshänder eingestuft, da die rechte Muskelniederstand hat. Ich solle nicht so einen Aufwand betreiben, es ist ja nicht so schlimm, jedoch hatte mein Sohn einen Hängearm, welcher durch ständiges drängen auf Physio muskeltechnisch trainiert wurde. Wenn sie eine Hilfemethode sehen, bitte ich um Nachricht, da es weitere Baustellen gibt: Setzten von Paukenröhrchen beidseitig, mit 2 1/2 sprechen gelernt – Logopädie angedacht, jedoch für den Arzt noch zu jung. Zungenbändchenschnitt -akute Schluckbeschwerden von Fleisch und Spucke. Eisenmangel seit Geburt – jedoch keine Präparatgabe, Durchfall seit Geburt – EPEC mit 1 1/2 ein dreiviertel Jahr lang, immerwieder Astro-, Adenna- oder Noroviren im Darm. Dauerpräparat Darmkur Mutaflor.

    Ich danke für ihr lesen und verstehen.

    Antworten

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