Gastbeitrag zur Coronakrise: Am Rande der Belastbarkeit

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Das Coronavirus und seine Auswirkungen für Mütter und Väter schwerst-mehrfach behinderter Kinder

Das Coronavirus und seine Auswirkungen für Mütter und Väter schwerst-mehrfachbehinderter Kinder

Mehr noch als sonst müssen in diesen Tagen Mütter und Väter von schwerst-mehrfachbehinderten Kindern, um die Gesundheit ihrer Kinder bangen. Das Coronavirus, ist mit seinen weltweiten Ausmaßen wie eine globale Naturkatastrophe zu sehen, die das Leben aller Menschen und den Alltag in den letzten zwei Wochen hier in Deutschland vollständig auf den Kopf gestellt hat. Viele Schutzmaßnahmen mussten umgesetzt werden, damit Risikogruppen, wie eben diese Kindergruppe, nicht am Coronavirus erkranken. Unsicherheit und vielfältige Ängste der pflegenden Mütter und Väter bauen sich auf. Diese zeigen sich insgesamt auf der gesellschaftlichen, medizinischen und am Ende auch auf der wirtschaftlichen Ebene. Dieser Gesamtcocktail kann traumatisch erlebt werden und vielfältige psychische Konsequenzen hervorrufen. Das macht Angst!

Aus Sicht von ohnehin schon belasteten Eltern der Supergau. Ist die Sorge um die Kinder doch ein täglicher Begleiter und fordert oft über die Grenzen der Einzelnen hinaus seinen Einsatz. Mütter und Väter, die ihre schwer-mehrfach behinderten Kinder zu Hause versorgen, sind angewiesen auf Unterstützung von außen, brauchen ihre Atempausen, um Kraft schöpfen zu können. In Zeiten der Pandemie drohen wichtige Stabilisatoren von außen, wie weitere Angehörige, Pflegekräfte wegzubrechen und die betroffenen Mütter und Väter sind noch mehr als sonst auf sich selbst gestellt. Hier realisieren wir, dass Alle betroffen sind und wie unter Schock stehen.

Wie kann es gelingen, Kraft aus sich selbst heraus zu schöpfen, wenn einem doch eher zum Weinen zumute ist?

Seelische Stabilisierung ist hier mehr als notwendig, denn das innere zur Ruhe kommen jedes Einzelnen, kann helfen, ein Stück Sicherheit zu bekommen, die hilft, diese Naturkatastrophe Namens Corona zu überwinden.

Nachfolgend möchte ich pflegenden Müttern und Vätern einige Gedanken mit auf den Weg geben, die in Ihren derzeitigen erschwerten Momenten helfen können, um Kraft zu schöpfen. Vielleicht klingt aus ihrer Sicht das eine oder andere banal oder zu normal, doch genau das soll es sein- so viel Normalität wie möglich!

  • Ihr Tagesablauf ist durch die Pflege Ihres Kindes eh strukturiert, halten Sie so gut wie möglich an Ritualen fest- Sie helfen Ihrem Kind und Ihnen
  • Gesunde Ernährung und sich Zeit zum Essen zu nehmen! Nicht einfach nebenbei essen, sondern am Tisch!
  • Wer es kann und schafft, Bewegung an frischer Luft in jeglicher Form und was zu Ihnen und in ihren Tagesablauf passt! Traurigen Gedanken kann so besser entgegengewirkt werden.
  • Über die aktuellen Ereignisse zu sprechen ist wichtig und notwendig. Gerade weil wir durch die Einschränkung der sozialen Kontakte weniger Austausch haben. Dennoch sollten Sie gut überlegen, wie oft sie und mit wem Sie sich austauschen. Ziel sollte sein sich zu entlasten und nicht nach dem Gespräch, verwirrter und verängstigter zu sein als zuvor!
  • In Verbindung bleiben mit Ihnen wichtigen Menschen! Soziale Medien bieten zumindest einfache Möglichkeiten, bis hin das alt hergebrachte Methoden, wie Briefe schreiben, vielleicht eine Renaissance erfahren.

Gute Möglichkeiten sind auch, gegenüber Dritten seine Sorgen und Ängste zu benennen. Scheuen Sie sich nicht Kontakt, wie z.B. mit dem Elterntelefon des Kinderschutzbundes Rufnummer 0800.1110550 aufzunehmen. Auch LEBENgestalten bietet Telefonberatungen an und bei Bedarf auch videobasierte Beratungen! Bei Interesse nehmen Sie bitte Kontakt auf!

Für pflegende Mütter und Väter ist in diesen Tagen diese gesellschaftliche Verunsicherung und die Destabilisierung des Gewohnten besonders schwerwiegend. Tragen sie Sorge für ein seelisches Gleichgewicht und für ein subjektive Gefühl von Sicherheit! Dies ist derzeit Ihre beste Medizin!

Ein Gastbeitrag von:

Anja Brückner-Dürr
Dipl. Sozialpädagogin, Traumapädagogin, Mediatorin
www.praxis-lebengestalten.de

(Bildquelle: Shutterstock „Tomsickova Tatyana“)