Roland Uphoff beim 14. Intensivkurs zur Pränatal- und Geburtsmedizin

Aufklärung, Wehencocktail, Plexusausriss: drei neue richtungsweisende Gerichtsurteile in der Geburtshilfe

Roland Uphoff beim 14. Intensivkurs zur Pränatal- und Geburtsmedizin

Roland Uphoff beim 14. Intensivkurs zur Pränatal- und Geburtsmedizin



14. Intensivkurs zur Pränatal- und Geburtsmedizin

Vom 3.-5. Februar 2020 fand der 14. Intensivkurs Pränatal- und Geburtsmedizin in Aachen statt. Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin wurde erneut das gesamte Spektrum der modernen Geburtshilfe und Perinatalmedizin in Vorträgen und Diskussionen präsentiert.
In meinem diesjährigen Vortrag habe ich gleich drei neue richtungsweisende Gerichtsurteile aus dem geburtshilflichen Schadensbereich referiert, u.a. zum Wehencocktail, und dadurch im Anschluss zu lebhaften Diskussionen angeregt:

Zum vorgeburtlichen Aufklärungsgespräch der werdenden Mutter

Die werdende Mutter muss ausführlich und frühzeitig vor der Geburt darüber aufgeklärt werden, wenn in der weiteren Entbindung eine Sectio in Frage kommt. Das hat der Bundesgerichtshof in einer ausführlichen Begründung nochmals hervorgehoben. Der Geburtshelfer muss vorausschauend überlegen, ob bei einer weiteren Vaginalgeburt ernstzunehmende Gefahren für das ungeborene Kind drohen und daher auch der Kaiserschnitt besprochen werden muss.

Zum so genannten Wehencocktail

„Wehencocktails“ entsprechen nicht mehr dem Stand der guten Geburtsmedizin und sind standardunterschreitend. Deshalb stellt der Einsatz solcher Mixturen zur Einleitung der Geburtswehen laut dem Oberlandesgericht Hamm einen groben Behandlungsfehler dar. Im entschiedenen Fall wurden der werdenden Mutter Rizinus und Wodka verabreicht. Es kam zu schweren Schäden beim Kind, da die Geburt auch im Weiteren nicht ausreichend mittels Wehenschreiber überwacht wurde.

Zur Verursachung von Plexusschäden unter der Geburt

Das Oberlandesgericht München hat in einem Urteil klargestellt, dass schwere Plexusverletzungen nur dann entstehen können, wenn zu stark am kindlichen Kopf gezogen, gezerrt oder gedreht wird. In dem zu entscheidenden Fall war trotz anders lautender Aussagen der beteiligten Ärztin und Hebamme, wonach nicht am kindlichen Kopf gezogen worden sei, bei dem Kind nachgeburtlich eine schwere Plexusverletzung vorhanden. Das Oberlandesgericht sah es als bewiesen an, dass diese nur durch behandlungsfehlerhaftes Vorgehen der Ärztin bzw. der Hebamme entstanden sein kann

Ein Beitrag von:

Dr. Roland Uphoff, M.mel.
Fachanwalt für Medizinrecht,
Geburtsschadensrecht und Arzthaftungsrecht

v.l.n.r. Sandra Peters, Caterina Krüger, Axel Näther und Petra Marschewski von der Kanzlei Uphoff

Medizinrechtliche Diskussion mit Chefärzten aus der Geburtshilfe

v.l.n.r. Sandra Peters, Caterina Krüger, Axel Näther und Petra Marschewski von der Kanzlei Uphoff

v.l.n.r. Sandra Peters, Caterina Krüger, Axel Näther und Petra Marschewski von der Kanzlei Uphoff

Über zwei Tage fand am 22. und 23.11.2019 das jährliche „Chefarzttreffen“ statt. Die Veranstaltung lief unter dem Titel „Leitung und Verantwortung – Seminar für Führungskräfte der Pränatal- und Geburtsmedizin sowie der gynäkologischen Endokrinologie“.

Ein zentraler Schwerpunkt: die Diskussion medizinrechtlicher Fragen

Neben vielfältigen medizinischen Vorträgen standen auch wichtige medizinrechtliche Themen auf der Tagesordnung. So zum Beispiel die Abläufe in den Verfahren vor den Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen sowie das Verhalten bei Schadensersatzklagen und in Strafverfahren. Dazu und zu aktuellen juristischen Entwicklungen habe ich jeweils einen Vortrag gehalten und mit den Teilnehmern im Anschluss rege diskutiert. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den „Konflikten zwischen Arzt und Hebamme“. Auch dieses Thema bot reichlich Diskussionsstoff – vor allem in Zusammenhang mit den in manchen Kliniken angebotenen so genannten Hebammen-Kreißsälen.

Wichtige Einblicke in die Position betroffener Familien

Mit mir als Referenten haben drei Kolleginnen die Veranstaltung besucht und intensiv mitdiskutiert: Frau Rechtsanwältin Krüger, Frau Rechtsanwältin Marschewski und Frau Rechtsanwältin Peters. Das Besondere an diesem geburtshilflichen „Chefarzttreffen“ ist, dass wir, die wir ausschließlich geburtsgeschädigte Kinder und deren Eltern vertreten, mit Chef- und Oberärzten ins Gespräch kommen. So ist es uns abseits von Gerichtssälen möglich, die Position der Kinder und unser Anliegen zu erläutern. Insbesondere anhand von Beispielsfällen können wir zeigen, dass in keinem medizinischen Fachbereich, eben auch in der Geburtshilfe nicht, fehlerfrei gearbeitet wird und zu welchen katastrophalen Folgen gravierende Mängel in der Geburtshilfe führen können. Durch die Vorstellung tatsächlicher Fälle ist es so möglich, dem oftmals pauschalen „Das kann es doch gar nicht geben“ von Seiten der Ärzte und Kliniken etwas entgegenzusetzen.

Alles in allem eine Veranstaltung, die für jeden Teilnehmer sicher ein Gewinn war.

Ein Beitrag von:

Axel Näther
Fachanwalt für Medizinrecht,
Geburtsschadensrecht und Arzthaftungsrecht

Was ist bei der geburtshilflichen Betreuung psychisch erkrankter Schwangerer zu beachten?

v.l.n.r: Dr. Roland Uphoff, Dr. Karen Weißhaupt, Charité Berlin – Klinik für Psychiatrie, Dr. Lisa Dröge, leitende Oberärztin der Charité Berlin – Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Christine Klapp, Charité Berlin, Projektleiterin des „Babylotsen-Projekts Berlin“, Prof. Dr. Wolfgang Henrich, Chefarzt der Charité Berlin – Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe

v.l.n.r: Dr. Roland Uphoff, Dr. Karen Weißhaupt, Charité Berlin – Klinik für Psychiatrie, Dr. Lisa Dröge, leitende Oberärztin der Charité Berlin – Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Christine Klapp, Charité Berlin, Projektleiterin des „Babylotsen-Projekts Berlin“, Prof. Dr. Wolfgang Henrich, Chefarzt der Charité Berlin – Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe

 

Im Rahmen einer Veranstaltung der Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie in Berlin (www.dggg) habe ich im Oktober zu einem sehr speziellen Thema referiert: Wie und unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen ist die psychisch oder eventuell psychiatrisch erkrankte Schwangere und Gebärende zu betreuen?

Hierbei ist aus medizinethischer und -rechtlicher Sicht hervorzuheben, dass naturgemäß auch die psychisch erkrankte Schwangere angemessen aufgeklärt werden muss. Jedoch ist dabei unbedingt der wichtige Grundsatz zu beachten, dass das Selbstbestimmungsrecht der werdenden Mutter dann endet, wenn das ungeborene Kind in Gefahr ist.

So kann im Rahmen der betreuungsrechtlichen Regelungen die Einwilligung der werdenden Mutter durch eine Betreuerin oder durch das Vormundschaftsgericht ersetzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass aufgrund einer psychischen oder psychiatrischen Erkrankung der Gebärenden eine gute und im Interesse der Mutter und des ungeborenen Kindes wichtige Behandlung nicht möglich ist.

Praktische Probleme ergeben sich daraus, dass in den psychiatrischen Abteilungen der Krankenhäuser naturgemäß keine ausreichend gute geburtshilfliche Behandlung und Begleitung der Gebärenden möglich ist. Die Forderung geht also dahin, in jedem Fall auch werdende Mütter, die psychisch oder psychiatrisch erkrankt sind, bestmöglich in einem Geburtskrankenhaus zu betreuen. Dabei ist jedoch ggf. unter Anwendung von Zwangsmaßnahmen das kindliche Wohlbefinden sicherzustellen.

Diese sicher extreme Situation in der Geburtshilfe ist eine maximale Herausforderung für alle Beteiligten. Wichtig ist daher immer eine enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Psychiater, Geburtshelfer und ärztlichem Personal.

Ein Beitrag von:

Dr. Roland Uphoff, M.mel.
Fachanwalt für Medizinrecht,
Geburtsschadensrecht und Arzthaftungsrecht

Dr. Roland Uphoff beim Vortrag während eines Fortbildungskurses der DGPGM

Vortrag beim Fortbildungskurs „Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin“

Dr. Roland Uphoff beim Vortrag während der Fortbildungsveranstaltung

Als Referent beim Fortbildungskurs der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin habe ich am 12. Juli einen Vortrag zum Thema „Rechtliche Vorgaben bei Geburtseinleitung im Zustand nach Sectio“ gehalten. Meine Forderung nach einer Grundregel bezüglich Schnittentbindung führte zu heftigen Diskussionen. Mir ist jedoch wichtig, dass die Risiken einer Vaginalgeburt nach einem erfolgten Kaiserschnitt nicht verharmlost werden. Denn leider versuchen zu viele Geburtshelfer in jedem Fall eine weitere Sectio zu vermeiden und klären die werdende Mutter häufig nicht über die aus haftungsrechtlicher Sicht unbedingt zu erwähnenden Risiken auf. Die werdende Mutter muss aber unbedingt vom Frauenarzt bzw. Geburtshelfer darauf hingewiesen werden, dass bei einer weiteren Geburt die Sectio-Narbe reißen kann. In dem Fall muss die Geburt nochmals mit Kaiserschnitt abgeschlossen werden.

Natürlich besteht die Möglichkeit, auch bei einem bereits erfolgten Kaiserschnitt die weitere Geburt auf natürlichem Weg zu versuchen. Das setzt jedoch voraus, dass die Klinik alle Risiken kennt, sich entsprechend darauf einrichtet und vor allem die werdende Mutter umfassend informiert. Denn nur sie kann in Übereinstimmung mit dem betreuenden Geburtshelfer für sich entscheiden, ob sie einen weiteren Kaiserschnitt oder die Risiken einer Vaginalgeburt bei der zweiten Geburt eingehen möchte.

Daher meine Forderung, dass nach einem Kaiserschnitt immer zunächst von einer weiteren Schnittgeburt ausgegangen werden sollte. Ein solches Grundprinzip, von dem auf speziellen Wunsch natürlich abgewichen werden kann, ist aus meiner Sicht sinnvoller als die aktuelle Handhabung in der Praxis.

Ein Beitrag von:

Dr. Roland Uphoff, M.mel.
Fachanwalt für Medizinrecht,
Geburtsschadensrecht und Arzthaftungsrecht

Dr. Roland Uphoff bei der Deutschen Richterakademie

Ein Blick auf das Arzthaftungsrecht aus Sicht des Patientenanwalts

Publikum beim einer Veranstaltung

Tagung zum Arzthaftungsrecht

Anfang Mai habe ich bei der Deutschen Richterakademie zur Praxis des Arzthaftungsrechts und -verfahrens aus Sicht des Patientenanwalts referiert. Die Tagung fand über einen Zeitraum von sechs Tagen in der Richterakademie in Trier statt. Im Fokus der Veranstaltung standen neben ausgewählten Problemen des Arzthaftungsrechts auch Fragen zur Begutachtung durch medizinische Sachverständige.

Perspektivwechsel – womit Patienten zu kämpfen haben

Die Veranstaltung wurde von circa 50 Richterinnen und Richtern besucht, die schwerpunktmäßig Arzthaftungsprozesse bearbeiten. Ihnen habe ich aus Sicht des Patientenanwalts dargestellt, welche immensen Schwierigkeiten und Widerstände bei der Durchsetzung von Schmerzensgeld- und Schadenersatzansprüchen für Patienten bestehen. Nicht nur die verzögernde und zum Teil sehr zynische Verhandlungstaktik der Haftpflichtversicherer habe ich hierbei angesprochen. Unbedingt wichtig ist aus meiner Sicht auch, dass die großen Hürden, um einen Schadenersatzprozess auf Patientenseite zu gewinnen, verringert werden. Dazu gehört beispielsweise, dass die Voraussetzungen für eine Beweislastumkehr deutlich vereinfacht werden. Daneben gilt es unbedingt, die Stellung des Privatgutachters zu stärken, der häufig in gerichtlichen Verfahren ignoriert und nicht angehört wird.

Aufseiten der Richter und Richterinnen wurde schnell deutlich, dass viele praktische und prozessuale Probleme, die auf Patientenseite bestehen, überhaupt nicht bekannt sind – oder nicht diskutiert werden. Es ist und bleibt daher wichtig, dass sich die Justiz mehr und intensiver mit Patientenrechten und der Verbesserung der Situation des Patienten beschäftigt.

Ein Beitrag von:

Dr. Roland Uphoff, M.mel.
Fachanwalt für Medizinrecht
Geburtsschadensrecht und Arzthaftungsrecht

v.l.n.r. Dr. Roland Uphoff (Vorsitzender AKG), Sandra Peters (Kanzlei Uphoff), Gerd Schmidt (stellvertretender Vorsitzender AKG), Marlis Meierling (Leiterin der AKG Geschäftsstelle Dortmund), Caterina Krüger (Kanzlei Uphoff), Petra Marschewski (Kanzlei Uphoff)

Bundestagung des Arbeitskreises Kunstfehler in der Geburtshilfe

v.l.n.r. Dr. Roland Uphoff (Vorsitzender AKG), Sandra Peters (Kanzlei Uphoff), Gerd Schmidt (stellvertretender Vorsitzender AKG), Marlis Meierling (Leiterin der AKG Geschäftsstelle Dortmund), Caterina Krüger (Kanzlei Uphoff), Petra Marschewski (Kanzlei Uphoff)

v.l.n.r. Dr. Roland Uphoff (Vorsitzender AKG), Sandra Peters (Kanzlei Uphoff), Gerd Schmidt (stellvertretender Vorsitzender AKG), Marlis Meierling (Leiterin der AKG Geschäftsstelle Dortmund), Caterina Krüger (Kanzlei Uphoff), Petra Marschewski (Kanzlei Uphoff)

Am 23. und 24. März 2019 hat der Arbeitskreis Kunstfehler in der Geburtshilfe e.V. zu seiner jährlich stattfindenden Bundestagung und Mitgliederversammlung in Bonn eingeladen.

Gemeinsam mit der Referentin und Pflegesachverständigen Frau Döneke aus Pulheim wurden an beiden Tagen jeweils wichtige Aspekte zur Sicherstellung einer adäquaten Betreuung behinderter Kinder beleuchtet. Eng damit zusammenhängend ging es immer auch um die Frage, wie vor allem engste Familienangehörige notwendige Entlastung erhalten können. Ganz konkret wurde diskutiert, welchen Anforderungen die betroffenen Familien in der Bewältigung des Alltags gegenüber stehen – und wie sie personell und/oder finanziell durch einzelne Sozialträger, wie beispielsweise Kranken- und Pflegekassen, Kreise oder Sozialhilfe notwendige Unterstützung erhalten können.

Der Vortrag von Dr. Roland Uphoff, der auch in seiner Rolle als AKG-Vorsitzender vor Ort war, schloss hier thematisch an. Anhand einer aktuellen Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 28.08.2018 (Az. VI ZR 518/16) zum Ersatz vermehrter Bedürfnisse bei schwerster Schädigung, hat Dr. Uphoff exemplarisch den Spielraum beleuchtet, der betroffenen Familien zur Verfügung steht. In seiner Entscheidung hatte der BGH hervorgehoben, dass ein Schwerstgeschädigter sich grundsätzlich nicht auf die Möglichkeit der Pflege in einer stationären Einrichtung verweisen lassen muss, nur weil dies kostengünstiger wäre. Eine detaillierte Zusammenfassung zum Urteil des BGH ist hier verfügbar.

Die teilnehmenden Familien konnten bei der gelungenen Veranstaltung mit abendlicher Einkehr durch den regen Austausch untereinander und der Möglichkeit zur Rücksprache mit dem Kanzleiteam Uphoff wertvolle Informationen mit nach Hause nehmen.

Ein Beitrag von:

Caterina Krüger
Fachanwalt für Medizinrecht,
Geburtsschadensrecht und Arzthaftungsrecht

Die etwas anderen Fortbildungstage in Hannover

Publikum beim einer Veranstaltung
Bildquelle: shutterstock/Matej Kastelic

Expertenvorträge und rege Diskussionen

Die Fortbildungsveranstaltungen der Reihe „Geburtshilfe mal anders“ unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin sind erfahrungsgemäß gut besucht. In diesem Jahr fand die Veranstaltung, die sich in erster Linie an Ärzte und Hebammen richtet, unter dem Titel „Kontroversen. Kooperationen. Kasuistiken“ erneut im Friederikenstift in Hannover statt.

Eingeladen für Beiträge und zur Diskussion waren zahlreiche Chefärzte großer insbesondere geburtshilflicher Kliniken aus dem gesamten Bundesgebiet. Zwei Tage lang hatten die Fortbildungsteilnehmer die Möglichkeit, mit ausgewiesenen Experten zu diskutieren und ihre Standpunkte auszutauschen. Unter den Referenten waren renommierte Mediziner wie Herr Prof. Abele aus Tübingen, Herr Prof. Kehl aus Erlangen, Herr PD Dr. Schlembach aus Berlin und Herr Prof. Schild aus Hannover als Gastgeber der Veranstaltung

Mehrwert durch unterschiedliche Perspektiven

Im Rahmen des Blocks „Kooperationen“, der Experten unterschiedlicher Fachgebiete zusammen bringt, hatte ich die Möglichkeit, über die notwendige Aufklärung werdender Mütter zu referieren. Im Detail ging es um die Aufklärung von Schwangeren bei einer medikamentösen Geburtseinleitung sowie bei einer Geburtseinleitung nach einem bereits durchgeführten Kaiserschnitt. Während Herr Prof. Strauss, ehemaliger Chefarzt der geburtshilflichen Abteilung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, dieses Thema aus medizinischer Sicht betrachtete, habe mich aus anwaltlicher Sicht dazu geäußert.

Wichtig ist mir zu betonen, dass unterschiedliche Standpunkte nicht ausschließlich konfrontativ aufeinanderprallen müssen. Es ist gut und sicherlich effektiver, wenn Vertreter verschiedener Disziplinen gemeinsam das Ziel verfolgen, die Geburtshilfe insgesamt sicherer zu machen. Dazu gehört für mich auch, die Ärzteschaft dafür zu sensibilisieren, welche Behandlungen aus juristischer Perspektive besonders risikoträchtig sind und zu Schaden bei Mutter und Kind führen können. Zentraler Punkt bei einer Einleitung der Geburt mit Medikamenten ist, dass die Gebärmutter-Narbe eines zuvor durchgeführten Kaiserschnitts aufreißen kann, wodurch Mutter und Kind in Lebensgefahr geraten. Für das Kind entsteht zudem ein hohes Risiko, schwer- oder schwerstgeschädigt zur Welt zu kommen.

Sicherheit ist oberstes Gebot

Im Rahmen meines Vortrags war es mir wichtig, klar aufzuzeigen, dass im Zweifelsfall von ärztlicher Seite immer der sicherste Weg gewählt werden soll und muss. Und dass eine Geburt nicht unter das Motto „es wird schon gut gehen“ gestellt werden darf. Dafür sind die dramatischen Folgen, die eine Fehlentscheidung oder Fehleinschätzung auf ärztlicher Seite haben kann, in unserer täglichen Kanzleiarbeit leider in vielen Fällen zu präsent.

Insgesamt war die Veranstaltung gerade auch durch den regen Austausch zwischen den Vertretern unterschiedlicher Disziplinen ein voller Erfolg und für alle Beteiligten ein Gewinn. Alle Referenten sowie das gesamte Programm können Sie hier einsehen.

Ein Beitrag von:

Axel Näther
Fachanwalt für Medizinrecht
Geburtsschadensrecht und Arzthaftungsrecht

Roland Uphoff beim 13. Intensivkurs zur Pränatal- und Geburtsmedizin

Aufklärung werdender Mütter nach einem vorausgegangenen Kaiserschnitt

Roland Uphoff beim 13. Intensivkurs zur Pränatal- und Geburtsmedizin in Aachen.

13. Intensivkurs zur Pränatal- und Geburtsmedizin

Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin fand vom 04 bis 06. Februar 2019 der mittlerweile 13. Intensivkurs zur Pränatal- und Geburtsmedizin in Aachen statt. Wie immer wurde das gesamte Spektrum der modernen Geburtshilfe und Perinatalmedizin in Vorträgen und Diskussionen präsentiert und es gab ausreichend Möglichkeiten für interessante Diskussionen und einen direkten Meinungsaustausch.

Aufklärung werdender Mütter nach Kaiserschnitt

Mein diesjähriges Vortragsthemen widmete sich speziell der Frage: Wann und wie muss eine Mutter, die bereits bei der ersten Geburt einen Kaiserschnitt bekommen hat, bei allen folgenden Geburten informiert und aufgeklärt werden? Aus medizinischer Sicht ist bekannt, dass nach einer Entbindung per Kaiserschnitt bei einer anschließenden vaginalen Geburt die Gebärmutter reißen kann und dadurch das ungeborene Kind in Lebensgefahr gerät. Über dieses Risiko muss die werdende Mutter unbedingt aufgeklärt werden. Es muss entsprechend ausführlich und in Ruhe mit ihr besprochen werden, ob nicht sicherheitshalber auch bei der anstehenden Geburt ein Kaiserschnitt gemacht wird.

Geburtshelfer wenden häufig ein, man könne nicht immer und bei jeder Schwangeren nach einer Kaiserschnittentbindung die folgenden Geburten ebenfalls mit Kaiserschnitt beenden. Aus rechtlicher Sicht ist jedoch unbedingt zu beachten, dass die werdende Mutter auf die verschiedenen Risiken und eben auch die Möglichkeit eines erneuten Kaiserschnitts hingewiesen werden muss. Nur zusammen mit der informierten Mutter kann und darf dann die weitere Geburt betreut werden.

Meine vollständige Präsentation können Sie sich hier ansehen:

Ein Beitrag von:

Dr. Roland Uphoff, M.mel.
Fachanwalt für Medizinrecht
Geburtsschadensrecht und Arzthaftungsrecht

Geburtshilfe gelingt im Team: Vortrag in der Sana Klinik in Düsseldorf, hier mit Dr. Ines Milk, Chefärztin der Frauenklinik.

Vortrag am Sana Klinikum Düsseldorf: Geburtshilfe ist Teamarbeit

Schulung zu medizinrechtlichen Fragen in der Geburtshilfe in der Sana Klinik in Düsseldorf. Hier mit Dr. Ines Milk, Chefärztin der Frauenklinik.

Medizinrechtliche Auseinandersetzungen im Team vermeiden

Am 07.11.2018 habe ich im Rahmen einer klinikinternen Fortbildung im Sana Klinikum Düsseldorf-Benrath zu medizinrechtlichen Fragen rund um die Geburtshilfe referiert. Es besteht ein großer Informationsbedarf daran, wie medizinrechtliche Auseinandersetzungen von vornherein vermieden werden können. Ich konnte Antworten geben: Zuständigkeiten und Befugnisse kennen, sich schnell und zielgenau abstimmen – das sind die Erfolgsfaktoren für das Team in der Geburtshilfe.

Komplexe Abläufe brauchen klare Absprachen

Die Abläufe im Kreißsaal sind vielfältig und müssen den Handelnden in jedem Moment präsent sein. Gerade in Situation, in denen es zu Schwierigkeiten kommt und schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen, ist die Kommunikation unter den Teammitgliedern wichtig.

In der Diskussion zeigte sich, dass auch in der geburtshilflichen Praxis immer wieder unklar ist, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt die werdende Mutter bei Komplikationen aufgeklärt und informiert werden muss. Gemeinsam konnten wir bestimmen, dass diese Aufklärung über Möglichkeiten und Risiken, z.B. eines Kaiserschnitts, erfolgen soll, wenn die werdende Mutter in Ruhe und eigenverantwortlich entscheiden kann. Die frühzeitige und umfassende Information ist hier der wichtigste Schritt, den das Geburtshelfer-Team gehen sollte.

Zuständigkeiten von Beginn an klären

Daneben wird häufig von den Medizinerinnen, Medizinern und Hebammen gefragt, wer aus rechtlicher Sicht im Kreißsaal verantwortlich ist und welche Befugnisse die Hebammen haben, eigenverantwortlich zu entscheiden. Diese Fragen konnten wir einfach beantworten: Die geburtsleitende Ärztin oder der geburtsleitende Arzt hat letztlich die Entscheidungsbefugnis.

Insbesondere in der Diskussion mit den sehr motivierten Assistentinnen und Assistenten sowie Hebammen habe ich hervorgehoben, dass Geburtshilfe trotzdem Teamarbeit ist und die gute Kommunikation miteinander sowie die frühzeitige Einbindung der werdenden Mutter eine unabdingbare Voraussetzung für eine gute Geburt sind.

Ein Beitrag von:

Dr. Roland Uphoff, M.mel.
Fachanwalt für Medizinrecht,
Geburtsschadensrecht und Arzthaftungsrecht

Kreißsaal ABC

Kreißsaal ABC – Fortbildung in der Geburtshilfe

Dr. Roland Uphoff referiert beim Kreißsaal ABC

Fortbildung: Medizinrecht für junge Ärzte

Ende Mai war ich erneut als Referent beim Kreißsaal ABC und habe vor jungen Ärztinnen und Ärzten zum Thema Medizinrecht gesprochen. Die Fortbildung adressiert zentrale Fragen der Geburtshilfe: Was passiert, wenn unter der Geburt ein Kind Schaden nimmt? Wie lässt sich das Risiko, dass so etwas geschieht, so gering wie möglich halten? Und last, but not least: Wie können junge Mediziner auch den juristischen Anforderungen, die an sie gestellt werden, gerecht werden?

Absehbare Risiken schon vor der Geburt in Ruhe besprechen

Diese Fragen sind entscheidend; die entsprechenden Situationen alltäglich. Beispiel eins: Das ungeborene Kind ist relativ groß. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass es unter der Geburt stecken bleibt. Eine hochriskante Situation, die dann zwangsläufig zu einem Kaiserschnitt führt. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass alles glatt geht, größer ist – die Möglichkeit einer Schnittentbindung muss unbedingt schon vorher, und in Ruhe, mit der werdenden Mutter besprochen werden. Daher ist das Aufklärungsgesprächs vor der Geburt so bedeutsam.

Time is brain – die Überwachung der kindlichen Herztöne ist entscheidend

Beispiel zwei betrifft die fetalen Herzfrequenzen – also den Herzschlag des ungeborenen Kindes. Es ist unverzichtbar, diesen unter der Geburt ständig zu beobachten. Es ist aber nicht immer und überall die gängige Praxis. Wenn sich der Herzschlag verschlechtert, muss die betreuende Hebamme sofort und ohne Zögern einen Facharzt hinzuziehen. Es gilt der Grundsatz: Time is brain. Wenn das versäumt wird, und zu spät auf diese, oder andere Gefährdungssituationen reagiert wird, können daraus schwere kindliche Schäden resultieren.

Gute Zusammenarbeit ist entscheidend

Aber in der geburtshilflichen Praxis kommt es immer wieder vor, dass speziell die Zusammenarbeit zwischen Facharzt und Hebamme nicht optimal funktioniert, das gegenseitige Vertrauen nicht vorhanden ist oder die Zuständigkeiten nicht eindeutig geklärt sind. Aus meiner Sicht ist es daher unabdingbar, dass klare und eindeutige Vorgaben auch von der Klinikleitung erstellt werden, wann und unter welchen Voraussetzungen der Arzt/die Ärztin zur Geburt hinzugezogen werden muss.

Den jungen Assistenzärzten/-ärztinnen, die sehr motiviert und engagiert auf dem Kreißsaal arbeiten, habe ich klargemacht: Im Zentrum ihrer Arbeit stehen immer und unbedingt die kindliche Gesundheit und das mütterliche Wohlbefinden.

Ein Beitrag von:

Dr. Roland Uphoff, M.mel.
Fachanwalt für Medizinrecht,
Geburtsschadensrecht und Arzthaftungsrecht